Nina in Shanghai - What’s the news ?!

!!!! neuer blog ninainshanghai.blogspot.com !!!!

6. Januar 2009

24. Dezember 2008

Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten und besinnliche Stunden im Kreise eurer Familien!

Tag 23 : 23.12.2008

23. Dezember 2008

Einige von euch warten sicherlich schon ungeduldig auf den nächsten Blog-Beitrag. An dieser Stelle möchte ich mich dafür entschuldigen, dass es mir nicht möglich ist, täglich Beiträge zu verfassen. Dies liegt hauptsächlich an zwei Dingen. Zum einen, habe ich in meinem Apartment leider kein Internet, was somit Beiträge an Wochenenden und nach Arbeitsende ausschliesst, zum anderen liegt es auch sicherlich daran, dass ich mit meinem Blog Freunde, ehemalige Kollegen, ehemalige Chefs, Eltern und andere Interessenten gleichermassen ansprechen möchte und es demnach einen “goldenen Weg” zu finden gilt, was die Ausdrucksweise betrifft. Was nicht heißen soll, dass mir dieser Schreibstil sonderlich schwer fällt - aber eine gehörige Portion Konzentration ist dafür unabdingbar.

Soeben komme ich aus der Betriebskantine und überlege mir, ob Chinesen wohl schon von Klein auf eine ausgeprägtere Unterarmmuskulatur haben, als wir Westler… Warum?  Nun, am heutigen Tag standen Hähnchenschlegel auf dem Speiseplan und ich muss schon sagen, dass es durchaus Übung und auch Kraft erfordert diese - nicht wie gewohnt mit den Händen oder mit Messer und Gabel - sondern mit Stäbchen zu Essen. Am gestrigen Tag gab es unzerlegten Fisch. Auch hier wurde mein ganzes Können erfordert, Gräten, Kopf und Haut mit den Stäbchen abzutrennen. So manch einem macht ja trotz Messer und Gabel das Zerteilen von Forellen schon Beschwerden. Aber gut, Übung macht den Meister und zum Glück hatte ich in den letzten Jahren bei keinem Besuch eines asiatischen Restaurants auf Stäbchen verzichtet, was mir das Essen hier ungemein erleichtert. Denn selbst wenn man wollte, hier - in der Kantine und in den meisten Restaurants - gäbe es weder Messer noch Gabel!

Song Jiang University Town: Vor wenigen Tagen habe ich mit einem chinesischen Bekannten seine ehemalige Universität besucht. An dieser studieren sage und schreibe zwischen 60.000 und 70.000 Studenten! Zurecht wird die Uni demnach als Universitäts-Stadt bezeichnet. Riesige Wohnanlagen erstrecken sich in alle Himmelsrichtungen. Männer und Frauen werde hierbei strikt getrennt. In jedem Zimmer (also nicht Wohnung), wohnen 4 Personen. Jeder Einzelne hat sein eigenes Bett und einen eigenen Schreibtisch. Da selbst der Besuch des anderen Geschlechts in den jeweiligen Räumlichkeiten untersagt ist, gibt es ein Studenten-Hotel (bitte nicht mit Stunden-Hotel verwechseln;-) )auf dem Campus, das das ein oder andere Schäferstündchen ermöglicht. Mehrere Kantinen, die fast rund um die Uhr geöffnet sind, ermöglichen den Studenten kostengünstige Nahrungsaufnahme. Durch das gesamte Campusgelände führt ein Fluss, der in einen künstlich angelegten See mündet. Ein wunderschönes Areal, man kann sich sehr gut vorstellen, wie hier an Sommertagen draussen gelacht und studiert wird. Die Bibliothek ist ein wahres architektonisches Highlight - fast komplett verglast und dreiecksförmig erbaut, sticht sie unter den ganzen kastenförmigen Bauten besonders hervor. Das Studienangebot hier ist enorm. Nur wenige Studienanfänger kommen hier nicht auf ihre Kosten. Was ich allerdings erschreckend fand, ist die Tatsache, dass bis vor kurzem allein der Bachelorabschluss ausreichend war, um sich für eine Professorenstelle zu bewerben. Seit kurzem ist hierfür nun der Mastertitel Voraussetzung. Man bedenke an dieser Stelle, dass in Dld für die Lehre an einer Hochschule die Promotion erforderlich ist!

“Hot Pot”: Da das Wetter sich in diesen Tagen schlagartig um ca. 10 Grad abgekühlt hat (von ca. 13 Grad auf 3 Grad), blieb wenig Zeit sich auf den Wintereinbruch vorzubereiten. Ein typisches Winteressen und genau das Richtige nach einem Campusspaziergang war demnach der sogenannte “Hot Pot”. Der “Hot Pot” ist eine Mischung zwischen Eintopf, Raclette und Fondue. Die verschiedenen Zutaten lassen sich beliebig zusammenstellen. Wir haben uns an diesem Tag für Taubeneier, verschiedene Gemüse, Fleischbällchen, Lamm, Rind, Kartoffeln und Frosch entschieden. Wie immer sehr abwechslungsreich und lecker!

Weihnachten: Da morgen ja der 24.12. ist und das höchste christliche Fest nun unmittelbar “vor der Türe” steht, möchte ich doch noch ein paar Worte über die Vorweihnachtszeit hier in Shanghai verlieren. In Shanghai leben ja so gut wie keine Christen. Weihnachten, als westliches Fest, wird hier nicht gefeiert. Ich würde mich als eine Liebhaberin der Vorweihnachtszeit und des Weihnachtsfestes im Allgemeinen bezeichnen - zumindest eine Liebhaberin dessen, was ich in den letzten Jahren in Dld und anderen europäischen Ländern kennengelernt habe. Eine Vorweihnachtszeit in den Vereinigten Staaten z.b. blieb mir bisher erspart, denn die kitschige Art und Weise zu dekorieren widerstrebt mir. Durch Fernsehbeiträge wäre ich aber darauf gefasst gewesen… Wer nun aber, hat mich vorgewarnt, vor den Nikolaus-Mützen-tragende-chinesischen Bedienungen in den Restaurants, wer vor den in kreischenden Farben geschmückten Weihnachtsbäumen und wer vor den blinkenden Lichterketten an jeder Häuserecke?! In diesem Fall keiner. Keine Weihnachtsgefühle kamen auf, im Gegenteil - nach dem x-ten Einkauf in Shopping Malls innerhalb von 4 Wochen - ist man froh, die “Jingle-Bells”-Klänge nur noch wenige Tage hören zu müssen… Eine weihnachtliche Freude ganz nach deutschem Stil hat mir meine Mutter bereitet, als sie mir vor meinem Abflug noch einen Adventskalender zusteckte. Jeden Tag hat sich nach dem Öffnen der “Türchen” eine andere Chinesische Weisheit gefunden, die mich - nach den Worten meiner Mutter - über das halbe Jahr hinweg begleiten und führen sollen. Vielen Dank an dieser Stelle an meine liebe Mutter! Bisher kannte ich das Weihnachtsfest an sich eigentlich nun in einer Form. Wenige Tage vor dem 24.12. kauft mein Vater einen frisch nach Tannennadeln duftenden Weihnachtsbaum, der bei uns zu Hause später bis zur Decke ragen und in der Regel von meiner Mutter und mir am 23.12. geschmückt wird. Am 24.12. gibt es “Königinnen-Pasteten”, am 25.12. meistens eine ganze Gans und am 26.12. Reh. Ein festes Ritual also. Nur dieses Jahr wird alles anders sein. Da es aber doch nicht ganz ohne deutsche Bräuche geht, habe ich mir gestern einen Weihnachtsbaum gekauft und ihn mit schönen Kugeln behangen. Stolz, habe ich ihn meiner chinesischen Mitbewohnerin gezeigt…die daraufhin nur ein verständnisloses “o.k.” hervorbrachte… Aber gut, das Wichtigste ist, dass dadurch für mich das Weihnachtsfest “gerettet” scheint. Morgen, den 24.12. werde ich nur Vormittags arbeiten. Den Nachmittag habe ich frei bekommen. Gegen Abend werde ich im sogenannten Jin Mao Tower zu Abend essen. Ein wahrer Gaumenschmaus wird mich in einem der besten und auch höchstgelegenen Restaurants der Welt erwarten…im 56. Stockwerk…japanische Köstlichkeiten und eine gigantische Aussicht über die Shanghai-Skyline…ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue!

Überraschender Besuch: Am letzten Samstag bekam ich überraschend Besuch von meinem Vermieter… Ausgemacht war mit der hiesigen Personalabteilung, dass ich in dem Apartment weiterhin wohnen könne, sobald verschiedene Dinge (wie z.B. den Ersatz der alten Klimaanlage durch eine neue) durch den Vermieter behoben wurden. Der Vermieter hatte sich somit für Sonntag (irgendwann zwischen morgens und nachmittags - sehr präzise also) angekündigt. Natürlich war mir bewusst, das zu diesem Zeitpunkt meine chinesische Mitbewohnerin zu Besuch bei ihren Eltern sein würde, deshalb habe ich sie fein säuberlich alle “Problemchen” auf chinesisch notieren lassen. Als ich aber nun am SAMSTAG pfeifend unter der Dusche stand, hörte ich ein lautes Bollern gegen die Wohnungstür (dies erklärt sich dadurch, dass die Klingeln hier in der Regel eigentlich nur unten an der Haustür, aber nicht an der eigentlichen Wohnungstür angebracht sind). Ich dachte mir nichts dabei und genoss weiterhin das warme Wasser, als plötzlich ein Chinese in meiner Wohnung stand. Ich hatte natürlich die Badtüre nicht verschlossen, dachte ich doch, dass ich eh alleine in der Wohnung bin… nun, der Chinese ist zum Glück genauso schnell wieder zur Haustüre raus, wie ich aus der Dusche gesprungen kam…ich öffnete also mit dem Handtuch umwickelt, triefend die Wohnungstüre…und da standen…5 Chinesen, …die daraufhin die Klimaanlage austauschten und sich um weitere diverse “Problemchen” in der kompletten Wohnung kümmerten. Dies ließ mir natürlich wenig Freiraum zum Anziehen, Fönen und Schminken…aber man hat ja sonst keine Herausforderungen ;-)

Eben ging ein Schrei durch die Abteilung, dass gleich ein Personaler zu uns kommen wird um die Umsetzung der “Seven S” zu kontrollieren…alle sind nun damit beschäftigt, ihre Banane vom Mittagessen aufzuessen, diverse Papiere zu entsorgen, ihre Ordner auf dem Tisch in Reih und Glied zu bringen…zu kontrollieren, dass auch ja nicht zu viele Stifte im Stiftehalter sind…und ja, natürlich! Die Klimaanlage wird ausgeschaltet, die Fenster aufgerissen…es soll ja nicht der Eindruck entstehen, wir würden der Firma aktiv zu viele Heizkosten verursachen… Die spinnen, die Chinesen…ich meine, die Römer :-) Ich werde mich nun auch bemühen, mich den Regeln anzupassen…und verabschiede mich in diesem Sinne für heute…

Viele Grüsse,

Eure Nina

Tag 17 : 17.12.2008

17. Dezember 2008

Gleich zu Beginn: Wenn ihr Kommentare zu meinen Beiträgen verfasst, so müssen diese erst von mir freigeschaltet werden. Nur, damit ihr euch nicht wundert, warum diese nicht unmittelbar, sondern erst wenige Stunden später auf dem Blog erscheinen!

Auch heute habe ich wieder Lustiges und durchaus Bemerkenswertes zu berichten. Vielleicht fange ich mal damit an, dass mir der ganze Körper schmerzt… Warum? Weil ich gestern eine thailändische Massage “genossen” haben… Volle 90 Minuten wurde ich massiert, eingerenkt und getreten… Das spezielle an einer Massage im thailändischen Stil ist sicherlich die Tatsache, dass unter anderem auch mit den Füssen massiert wird und dabei die Masseurin auch auf dem Rücken des Massierten steht… Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Wir erreichten den Salon, wurden in Separés geführt (die rein äusserlich den Zimmern für käufliche Liebe ähnelten - allerdings eher die preisgünstigere Variante) und alles begann mit einer Fuss- und Beinmassage (meine Beine und Füsse wurden also mit den Händen der Masseurin massiert), dann kamen die Arme dran…und dann der Rücken…als die Dame dann mit vollem Gewicht auf mir stand, habe ich mir durchaus überlegt, ob es in solchen Situtationen wohl auch schon das ein oder andere Mal zu Folgeschäden gekommen sei…und fragte dann auch gleich nach, wie lange denn hier so eine Ausbildung zu einer Masseurin dauere…nun, das Zucken unter ihren Füssen mag die Massage-Dame wohl nicht bemerkt haben…als sie mir die passende Antwort gab…ganze 3 Monate braucht es, um die Berechtigung zu erhalten, Leute mit den Füssen und Händen behandeln zu dürfen! In Dld benötigt man für die Ausbildung zum Masseur etwa 3 Jahre, richtig?! … Nun gut, letztlich habe ich alles überlebt und werde wohl, da wirkliche Schäden ausblieben, auch mal wieder vorbeischauen…dann aber vielleicht lieber um den typischen chinesichen Massagestil (klassisch mit den Händen) zu geniessen. Wobei ich sagen muss, dass der Schmerz, den ich jetzt habe, insofern ein angenehmer ist, als dass ich denke, dass es sich einfach nur um Muskelpartien handelt, die endlich mal wieder entzerrt/massiert wurden. Auch erfreulich ist der Preis den man hier zu bezahlen hat: Sage und schreibe knappe 14 Euro für 90 Minuten Massage!

Ordnung muss sein: Ordnung muss sein - das sehe ich genauso. Planen kann ich, Ordnung halten auch. Zwei definive Aussagen, die ich über mich treffen kann… Aber wie bitte, definiert ein Chinese Ordnung? Die Frage habt ihr euch bisher noch nicht gestellt? Ich auch nicht. Aber, mir wurde schon gleich gezeigt, dass es sich hierbei durchaus um zwei verschiedene Definitionsweisen handelt…Die Firma bezahlt mir die tägliche An- und Abfahrt zur Firma/ins Apartment. Ohne Belege läuft nichts, das ist klar. Also habe ich die Taxibelege gesammelt, um sie dann der Zuständigen auszuhändigen…”Nein, nein” meint sie mit gebrochenem Englisch…ich müsse die Belege auf ein Blatt Papier kleben…gesagt, getan…Versuch Nummer 2…”Nein, nein”  ist erneut ihre Reaktion - ich müsse die Belege auf ein Papier im Querformat kleben…also gut, Versuch Nummer 3…”Nein, nein” meint sie und reißt meinen kläglichen Versuch auseinander - ich müsse zudem noch die Abreissstellen fein säuberlich mit der Schere abschneiden…als ich auch nach dem 4. Versuch gescheitert bin…schaut sie mich mit mitleidigem Blick an und meint zu mir, dass sie das nun für mich übernehme würde…denn dieses Mal, habe ich die einzelnen Abstände der Belege nicht ausreichend beachtet… Da ich das nicht “auf mir sitzen lassen” wollte, habe ich heute einen erneuten Versuch gestartet…und…man glaubt es kaum, wie schnell man jemanden hier glücklich machen kann…”very nice” und “really beautiful” habe ich zu hören bekommen… Aber in der Tat ist es wirklich so, dass hier jeder Belegzettel 1:1 gleich aussieht, fein säuberlich nach dem gleichen Prinzip. Ja, ja, so kann es also auch laufen! Effizientes Arbeiten, sage ich da nur…Schlagworte wie Zeitmanagement und ABM (= Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) möchte ich an dieser Stelle nur einfach mal “in den Raum” werfen…

“Seven S”:  “Seven S” besteht aus 7 Wörtern, die jeweils mit “S” beginnen, und die für ein sauberes, geordnetes Büro sowie effizienteres Arbeiten stehen. Was genau heißt das? Nun, HR (= Human Resources, also Personalabteilung) hat sich diese schönen “Seven S” ausgedacht und geht nun dazu über, diese Vorsätze in den verschiedenen Abteilungen sogleich umzusetzen. Ein HR-Beauftragter besucht die einzelnen Büros und stellt uns das mehrseitige Regelwerk vor: Jeder darf nur genau 3 verschiedene Stifte besitzen, nämlich einen Schwarzen, einen Blauen und einen Roten. Diese müssen immer in einem Becher o.Ä. aufbewahrt werden und dürfen somit nicht achtlos auf dem Tisch liegen…keine Kekse, kein Obst, keine Pflanzen…nur die dritte Schublade von oben darf für persönliche Dinge verwendet werden…erste Schublade für Visitenkarten u.Ä., zweite Schublade für Dokumente…Photos oder sonstige an der Wand oder auf dem Schreibtisch angebrachte Dinge müssen verschwinden…in den Schränken darf nichts übereinander gestapelt werden - alles nur vertikal nebeneinander…wer die Anordnungen nicht befolgt, bekommt eine “Rote Karte” und wird verwarnt… Ich dachte wirklich, ich bin im “falschen Film”…so wissen doch zumindest die Wirtschaftswissenschaftler unter euch, dass bereits in den 20er Jahren Roethlisberger und Dickson in den sogenannten “Hawthorne-Experimenten” (Beginn der Human-Relation-Bewegung) herausgefunden haben, dass gerade die menschliche Arbeitsleistung eben nicht nur von den objektiven Arbeitsbedingungen, sondern ganz wesentlich von sozialen Faktoren geprägt ist ! Soll heißen: “We did a BIG step backwards!” Es ist bewiesen, dass ein Klima, in dem sich die Arbeitnehmer wohl fühlen und in dem sie einen gewissen Gestaltungsspielraum haben, deutlich besser und motivierter arbeiten. Aber all meine Bemühungen, mit meinem Chef oder mit meinen Kollegen darüber zu diskutieren und ihnen zu erklären, dass dies der falsche Weg sei - schlugen bisher fehl…leider! Allerdings denke ich, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, und ich doch noch zum passenden Moment den richtigen Ansprechpartner finde um das Ganze in die richtigen Bahnen zu lenken!

Abschied: Leider wird Shan Shan - meine Kollegin und hier meine beste Freundin - heute ihren letzten Arbeitstag haben. Sie studiert Germanistik und war hier für ein Praktikum bei uns. Da sie aber nach erledigten Prüfungen, an ihrer chinesischen Uni ausserhalb von Shanghai, Mitte Februar wieder zurückkehren wird, ist es nur halb so schlimm ;-)

So long - Nina

Tag 15 : 15.12.2008

15. Dezember 2008

Obwohl erst wenige Tage vergangen sind, seit dem ich meinen letzten Beitrag verfasst habe - so ist doch viel passiert. Jeden Tag gibt es hier neue Überaschungen, neue Erlebnisse…

Als ich am Freitag Abend nach der Arbeit nach Hause gekommen bin…hatte ich im Nachhinein Glück, dass meine chinesische Arbeitskollegin dabei war, denn meine Mitbwohnerin ist über das Wochenende zu ihren Eltern gefahren. Diese wohnen zwar in Shanghai, jedoch an einem ganz anderen Stadtende. Würde sie, meine Mitbewohnerin (sie heißt Jin Chua) morgens zur Arbeit pendeln, würde für sie das 3 Stunden mit 4maligem Umsteigen bedeuten…deshalb hat sie, genau wie ich, ein Apartmentzimmer bekommen. Aber nun zurück - warum hatte ich also Glück, dass meine Kollegin mit dabei war?! Als ich die Haustür aufgeschlossen hatte, war mir ein Zettel aufgefallen, der wohl frisch an der Tür angebracht sein musste … ich bat Shue Shue (meine Kollegin), diesen Zettel zu lesen und mir oben dann Bescheid zu geben, was denn nun auf dem Zettel genau draufstehe…wir gingen also nach oben und begannen zu kochen…als ich sie um 19:45 Uhr Ortszeit fragte, was denn nun unten genau stehe…sie mit seelenruhiger Stimme “Da steht, dass vom 12.12.2008 bis zum 13.12.2008 von 20:00 Uhr bis 17:00 Uhr das Wasser abgestellt wird” Ich: “WAS???, das ist ja in wenigen Minuten…!” Also habe ich mich in Windeseile unter die Dusche geschwungen und Shue Shue beauftragt sämtliche Gefäße mit Wasser zu füllen, um somit für den Abend und den darauffolgenden Tag Wasser fürs Zähneputzen und Tee trinken zu haben… Oh je, ich dachte echt, dass das nicht wahr sein kann… erst zwei Mal keinen Strom, dann einmal kein Gas und jetzt auch noch kein Wasser… ich war fassungslos…! Aber da mir ja noch Zeit zum Duschen übrigblieb, war es letztendlich nur noch halb so schlimm und mittlerweile kann ich nur noch drüber lachen… denn wieder kam das Motto “was nicht tötet…” zum tragen :-)

Gestern hatte ich eines der bisher amüsantesten Abendessen, was nicht heißt, dass es sonst nichts zum Lachen gäbe! Wir, als Marketingteam waren mit 20, aus ganz China angereisten, Salesmen essen…oder vielleicht sage ich lieber, dass wir zumindest alle in einem tollen Restaurant waren…das trifft es nämlich besser. Ich möchte euch mal kurz den Abend schildern: Wir kamen im Restaurant an und wie so üblich, wurden gleich von etlichen Chinesinnen (manchmal sind es auch Männer) das Essen auf einer runden und drehbaren Platte in der Mitte des Tisches serviert. So stand der Tisch voll von Essen…dazu gab es Bier…man prostet sich zu…beginnt zu essen…und schon nach kürzester Zeit, kommt einer von den anderen Tischen auf unseren Tisch zu (wir waren ja Veranstalter) und meint “Gang bei” was soviel heißt wie “Zum Wohl”…aber oftmals auch als “auf Ex” verstanden wird…so wurde die Gläser (die die Größe eines Kölsch-Glases hatten) also geleert, wie ein Deutscher “einen Kurzen” trinkt. Nun, wenn es dabei geblieben wäre…hätte ich es vermutlich auch kurz darauf vergessen…wenn nicht einer nach dem anderen seine Kreise gedreht hätte… um sein “Gang bei” auszurufen… super lustig, sage ich euch… das Essen geriet komplett in Vergessenheit… Nahrungsmittel anderer Art standen nun im Mittelpunkt… ;-) Da die Chinesen aber alle nicht wirklich viel Alkohol vertragen, war das “typische chinesische Geschäftsessen” nach etwa 2 Stunden beendet und alle sind zufrieden nach Hause gewankt ;-)

Nun aber noch zu der kulinarischen neuen Köstlichkeit die ich an diesem Abend das erste Mal probieren durfte: Es gab Weichschildkröte… erst dachte ich, da lägen riesigen Champions auf der Platte…bis ich dann den Kopf bemerkte…im ersten Moment bin ich ganz schön zusammengezuckt…aber ehrlich, als ich dann zögerlich probiert hatte…fand ich Gefallen und Geschmack daran! Nur zu empfehlen, also!

Teehaus: Ein Besuch im Teehaus gehört natürlich auch zu jedem Chinabesuch. Ein solches typisches Zeremoniell erlebten wir in Songjiang, dem Stadtteil in dem ich wohne und arbeite. Wie meistens in Restaurants wird man auch hier in ein Separé geführt. Eine nette, traditionell gekleidete Dame gesellt sich zu einem und bereitet auf fest vorgelegte Weise den Tee zu. An diesem Tag durften wir 4 verschiedene Tees kosten (ist übrigens die Maximalzahl, die ein Chinese innerhalb eines Zeremoniells zu sich nimmt). Dabei werden diverse Nusssorten (u.a. eine Walnussart, die ich noch nie im Leben vorher gegessen habe, die aber einfach GENIAL schmeckt), verschiedenes Obst (u.a. Lichee, die weitaus besser schmecken, als das was man in Dld serviert bekommt), Zuckerrohr (das ich auch noch nie vorher gegessen habe, aber auch hiervon könnte ich mich tagtäglich ernähren!), diverse chinesische Süssigkeiten,…, gereicht. Die Chinesen verbringen so Stunden im Teehaus und tauchen in eine sehr angenehme, vom Alltagsstress befreite Welt ein…ganz anders, als bei uns ein Käffchen in einer Bar zu trinken! Hat mir sehr gut gefallen!

Wetter: Das Wetter ist, eigentlich während der ganzen Zeit in der ich hier bin, sehr wechselhaft. Meistens haben wir aber schönen Sonnenschein, geregnet hat es bisher noch nie. Von der Temperatur her, gab es Tage mit 15 Grad und auch Tage mit 4 Grad. Unter Null hatten wir bisher noch nie und dazu wird es wohl auch gar nicht kommen. Trotzallem muss man sich überlegt anziehen, da U-Bahnstationen zugig sind und es morgens und abends natürlich auch immer kälter ist als tagsüber.

Weihnachten: Weihnachten 2008 werde ich in Shanghai verbringen. Ich werde während des ganzen Chinaaufenthaltes nicht nach Dld zurück kommen. Dies wird das erste Weihnachten sein, das ich nicht zusammen mit meinen Eltern verbringen kann. Das fällt mir, um ehrlich zu sein, schon recht schwer, da wir dieses Fest bisher immer sehr genossen und zelebriert haben. Umso schwerer fällt es mir auch deshalb, weil es das erste Weihnachtsfest meines Lebens sein wird, an dem ich vom 24.12. bis zum 26.12. durchgehend arbeiten werde…und somit nicht einmal Zeit bleibt, eine christliche Kirche aufzusuchen und zumindest auf diese Weise ein paar ruhige, besinnliche Minuten zu haben. Selbst wie ich die Abende nach der Arbeit verbringen werde steht noch nicht wirklich fest, da die Chinesen Weihnachten nicht feiern und die Deutschen, die hier in der Firma arbeiten, zu ihren Verwandten nach Dld reisen. Aber gut, so ist das nun einmal. Dann freue ich mich eben bereits heute auf das Weihnachtsfest im Jahre 2009 ;-)

2009 ist ein gutes Stichwort: Wie feiere ich eigentlich Silvester? Natürlich im Herzen Shanghais, auf einer der hier unzähligen Parties…am 01.01.2009 habe ich frei…und so werde ich es ausgiebig über den Dächern Shanghais krachen lassen…und um 00.00 Uhr an euch alle denken! Da fällt mir ein, wann werde ich denn dann anstossen?? Zu eurer Zeit, oder zu meiner?? … vielleicht läßt sich die Gelegenheit nutzen, um gleich 2 Mal zu feiern ;-)

Liebe Grüsse, Eure Nina

Tag 12 : 12.12.2008

12. Dezember 2008

Feuerzangenbowle: Ohne gehts dann doch nicht…selbst in Shanghai. Gestern habe ich mich auf einen langen Weg gemacht - quer durch die 18 Mio. Metropole um zum German Centre zu gelangen…2,5 Stunden unterwegs gewesen…aber was tut man nicht alles, um den berühmten Film “Feuerzangenbowle” mit Heinz Rühmann zu sehen und dazu original Feuerzangenbowle zu trinken ?! ;-) Lustig wars…viele Deutsche und Chinesen, die sich am ” Pfeiffer mit drei f ” erfreut haben …

Tag 11 - Revue der letzten Tage

11. Dezember 2008

Endlich hat die Zeit gereicht, mir diesen Blog zu erstellen…der erste meines Lebens…hope, you will like it… ;-)
Da es natürlich unmöglich sein wird, in allen Einzelheiten die letzten Tage noch einmal für euch in Worte zu fassen, werde ich mich bemühen, euch zumindest einen Einblick in das zu geben, was bisher geschehen ist.

Mein Flieger ging am 30.11.2008 am späten Nachmittag ab FRA. Durch mehrere Unfälle auf der Strecke (nicht die unseren) und auch auf Grund der Tatsache, dass ich erst kurz vor knapp den Koffer fertig gepackt hatte…waren wir bereits in Zeitnot…aber alles lief glatt und der Flieger wurde erreicht. Als ich in der Lufthansa-Maschine mir den Weg an der Business-Class vorbeibahnte…habe ich schon zu hoffen gewagt, wenigstens annhähernd soviel Beinfreiheit zu haben…dem war wohl nicht so. Trotzallem verlief der Flug ohne Probleme und ich bin gut in Pudong International Airport Shanghai angelangt. Sogleich wurde ich von Mr. Driver abgeholt, der natürlich kein Wort englisch konnte…allerdings bereits die Adresse meines Apartments kannte und mich somit heil nach Hause bringen konnte. Nur, was macht man an seinem ersten Mittag in Shanghai, mit so gut wie keinen Chinesisch-Kenntnissen, ohne chinesischem Handy, ohne Ansprechpartner ? In einem spanisch oder englischsprachigen Land - kein Problem. Aber bei mir fing es ja bereits damit an, dass ich, sobald ich aus dem Haus gegangen wäre - erst gar nicht wieder in mein Apartment gefunden hätte - so ganz ohne in chinesisch verfasster Adresse… denn, die Taxi-Fahrer sprechen natürlich kein Englisch.

Aber gut, dieser Sonntag ging auch vorüber und bereits der darauffolgende Tag war mein erster Arbeitstag. Ich wurde sehr nett empfangen. Ich arbeite hier in einem Marketing-Team von insgesamt noch 10 weiteren - alles Chinesen versteht sich. Alle sind sehr nett hier, manche sprechen englisch (mein Chef natürlich!).

Essen: Was das Essen betrifft, bin ich super glücklich hier! Ganz anders als zu erwarten. Denn jeder von euch hatte ja in Dld eine neue “Horror-Geschichte” parat ;-) Von wegen Käfern, Affenhirn, Hunden etc. Das Kantinenessen ist für eine Werkskantine durchaus gut. Jeden Tag gibt es Gemüse, Fleisch (i.d.R. Rind oder Schwein), frisches Obst. An einem Tag gab es Gambas - dies war mit Stäbchen natürlich eine Herausforderung ;-) Manch einem bereitet ja das Gambas schälen ja schon ohne Stäbchen Probleme (wobei ich mich als Liebhaberin von Meeresfrüchten nicht dazu zähle). Auch diverse Restaurants habe ich mittlerweile besucht. Es fing an bei kantonesischer Küche (wunderbares Krebsfleisch und weitere verschiedenartige Speisen) über koreanisches Essen (eine Art Barbecue das man sich selbst auf einem in den Tisch eingelassenen Grill zubereitet) bis hin zu Spezialitäten wie Schnecke, Frosch, Hühnerfüsse … Wirklich lecker! Jeden Morgen mache ich mir eine frisch zubereitete Sojamilch und geniesse dazu einen Baudzn (schreibt man natürlich im chinesischen anders, wird aber so ausgesprochen wie ich es geschrieben habe). Baudzn sind ungefähr vergleichbar mit Germknödel - nur, dass die Füllung i.d.R. aus Gemüse und/oder Fleisch besteht.

Ich habe mir von Anfang an zum Ziel gesetzt, mich möglichst den chinesischen Sitten anzupassen, die Chinesen verstehen zu lernen (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Denkweisen verstehen zu lernen. Das kommt hier sehr gut an und demnach partizipiere ich auch an dem ein oder anderen “Event”. Letzten Sonntag war ich mit meinen Kollegen das neugeborene Baby eines Marketing-Kollegen besuchen - im Krankenhaus, nachdem es erst einen Tag auf der Welt war. So standen wir nun als versammelte Mannschaft vor dem Bett der frischgebackenen Mama und neben dem strahelnden Papa und haben Geschenke an den Kleinen verteilt. Lustig oder? Auf die Idee würde man doch in Dld nie kommen?! So kurz nach der Geburt…so viele Menschen…und dann auch noch im Krankenhaus?! Aber interessant, so etwas miterleben zu dürfen!

Problemchen: Da nicht immer alles glatt laufen kann…gabs natürlich auch die ein oder andere Sache, die besser hätte laufen können. So zum Beispiel die Tatsache, dass wir schon zwei Abende (meine chinesische Mitbewohnerin und ich) im Kerzenschein verbringen durften, weil in unserer Wohnung Stromausfall war. Da mag der ein oder andere denken: “Na, dann macht man halt die Sicherung wieder rein!” - Pustenkuchen! War leider nicht möglich. Somit stand die Nina abends, frisch aus der Dusche kommend, mit nassen Haaren da und hatte keine Möglichkeit mehr ihre Haare zu trocknen. Ist n bisschen doof im Winter… Aber gut, ich lebe hier sowieso nach dem Motto “was nicht tötet, härtet ab”. Und somit wurde einfach nur geschmunzelt und versucht, die Situation zu meistern…wäre da nicht…das fehlende Gas am nächsten Tag…und somit die Möglichkeit verbaut warm zu duschen und zu kochen… Shit happens…haben wir alles in den Griff bekommen. Es nützt ja schliesslich nichts, sich darüber aufzuregen.

Made in China: Da wären zum Beispiel die Wärmflasche die man kauft - um dann zu Hause festzustellen, dass kein Verschluss dabei ist. Oder die Bettwäsche, die man aus der Verpackung zieht und man dann einen stechenden, unbeschreibbaren Geruch in der Nase hat, weil die Herstellungsverfahren in China sich etwas von denen in Dld unterscheiden. Oder die an der Wand befestigte (oder auch nicht) Lampe, die bei der kleinsten Berührung eine 180 Grad-Drehung macht und klirrend auf dem Boden landet…

Ausgehen: Bisher habe ich ja erst ein Wochenende in Shanghai verbracht. Die Abende unter der Woche war ich lediglich in Restaurants und habe es mir schmecken lassen. Am Freitag jedoch sind wir mit Kollegen zuerst Essen und dann bei der ersten “Karaoke” meines Lebens. Wer sich ein bisschen auskennt, weiß, dass es DAS Hobby der Chinesen ist, in eine Karaoke-Bar zu gehen. Wir waren also (wie so üblich) in einem Separé, Couches, 2 Mikrofone, Bildschirm…und dann ging es los…volle 3 Stunden lang wurde leidenschaftlich geträllert…war seeehr lustig…! Am Samstag drauf war ich über den Dächern Shanghais in einer Bar namens “Bar Rouge” … seeeehr toll … direkten Blick auf den Oriental Pearl Tower, Pudong - eben die bekannte Skyline von Shanghai. Wow, sage ich da nur - wie im Traum!

So, das war es erst einmal für den Moment. Für alle, die es noch nicht wissen - wir in China haben einen Zeitvorsprung von 7 Stunden. Ich bin somit in der Firma und muss jetzt wieder an die Arbeit.

Liebe Freunde und Bekannte, liebe Interessenten meines Blogs

1. Dezember 2008

Willkommen auf meinem Blog “Nina in Shanghai”. Dieser wird für mich ein virtuelles Tagebuch darstellen, in dem ich euch an meinen Eindrücken und Erlebnissen von meiner Zeit in Shanghai teilhaben lassen möchte. Somit können sich diejenigen, die an meinem täglichen Leben hier in China teilhaben möchten, informieren wie es mir geht und was ich Neues erlebe. Da der Blog noch im Aufbau ist, möchte ich die ein oder andere Unregelmäßigkeit zu Beginn entschuldigen. Gerne könnt ihr natürlich auch Kommentare zu meinen Beiträgen verfassen oder mich weiterhin über diverse Social-Networks oder e-mail kontaktieren.

Ich freue mich auf ein spannendes halbes Jahr

- auf den Kulturschock China !



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